Mystische Stätten Deutschlands: Der Heiligenberg zu Heidelberg

Klöster sind Orte der inneren Besinnung und Einkehr. An ihrer Türschwelle werden alle irdischen Probleme zurück gelassen. Innerhalb ihrer hohen Mauern beginnt die menschliche Suche nach dem Unbekannten, dem Mystischen, nach Gott. Oft befinden sich diese Klöster an besonderen Stellen, an Orten der Kraft. Eine solche Stätte ist der mystische Heiligenberg zu Heidelberg. Auf seinem Haupt befindet sich ein uraltes, verfallenes Kloster, von dem jedoch nach wie vor eine mysteriöse und geheimnisvolle Magie ausgeht. Die Magie der Riten vergangener Zeiten.Zum Heiligenberg hinauf.In Indien nennt man Klöster Ashrams, was in etwa "Begegnung mit sich selbst" oder "Begegnung mit Gott" bedeutet, sagt der spirituelle Lehrer Sri Chinmoy. Von diesem Gedanken getragen, geht es langsam den weltberühmten Philosophenweg hinauf. Auf seinem stetig ansteigenden Weg wird der Blick frei auf das Heidelberger Schloss und die Altstadt, die zwischen zwei Hügelketten eingebettet liegt. Drunten im Tal zieht langsam und fließend der Neckar dahin. Bereits diese Aussicht lässt ein Gefühl der Vorahnung und Sehnsucht aufkommen, wie es vielleicht schon Friedrich Hölderlin vor mehr als 200 Jahren empfunden haben mag, als er sein bekanntes Gedicht "Heidelberg" komponierte. Bedächtigen Schrittes windet sich der Wanderer die Serpentinen eines kleinen Waldweges empor, bis nach einiger Zeit eine kleine Mulde erreicht wird. Jetzt sind nur noch wenige aber steile Höhenmeter zu überwinden, bis der Gipfel mit seinem verfallenen Kloster das Auge berührt. Doch bald ist auch diese letzte Hürde gemeistert.Das Kloster.Die Ruinen eines uralten Klosters enthüllen sich auf einer Waldlichtung. Weit über 1000 Jahre Geschichte liegt dem Wanderer hier zu Füßen. Doch nach wie vor umgibt diesen Ort eine Aura, die die Jahrhunderte unbeschadet überdauert hat. Eine merkwürdige und doch beruhigende Stille beherrscht die Szene. Der Trubel der Stadt scheint Lichtjahre, oder besser gesagt Äonen entfernt zu sein. Hier regiert alleinig eine hohe Macht des Schweigens und der Besinnlichkeit. Wie werden die Mönche wohl vor langer, langer Zeit gelebt haben? Doch irgendwie sind sie immer noch präsent. Gleicht nicht das Rauschen des Waldes fernem und vergangenem Mönchsgesang? Das Zeitliche und das Zeitlose scheinen sich hier zu begegnen und ineinander zu verschwimmen, wie auch das folgende Gedicht zu beschreiben versucht:

Heiligenberg"Mit kleinen Schritten geht es steil nach oben, vorbei an blumenhangnen, schönen Gärten;Auf hölderlinschen ungespurten Fährten, verwuchert Floras Spiel und Floras Toben.Dahingeschlängter Pfad am Bismarckturme, entschwundner Neckarblick in Tales Ferne,Die sanften Strahlen zarter Tageswärme, durchbrechen Wandrers Herz mit mildem Sturme.Umrahmt von meterhohen, schweren Bäumen, bezaubert Waldes Antlitz Geist´umd Seelen.Und tief verwurzelt ew´ge Zeiten Träumen, die liebliche Geschichten stumm erzählen -In hellen, weiten, heil´ger Berges Räumen, sich mit dem Klang der Sterblichkeit vermählen."