Das ABC der Meditation

Vorbereitung auf die Meditation - Eine Einführung von Sri Chinmoy

Wenn du zu Hause meditierst, solltest du eine Ecke in deinem Zimmer haben, die vollkommen rein und heilig ist – ein heiliger Platz, der nur für die Meditation benutzt wird. Du kannst dort einen Altar haben, wo du das Bild deines spirituellen Meisters, von Jesus oder eines anderen geliebten spirituellen Menschen aufstellst, den du als deinen Meister betrachtest. Es ist sehr hilfreich, wenn man sich vor der Meditation duscht oder ein Bad nimmt. Die Reinheit unseres Körpers ist eine große Hilfe für die Reinigung unseres Bewusstseins. Wenn es nicht möglich ist, sich zu duschen oder ein Bad zu nehmen, sollte man zumindest das Gesicht waschen. Auch ist es gut, saubere und helle Kleidung zu tragen.

Wenn wir Räucherstäbchen anzünden und frische Blumen auf unseren Altar stellen, hilft uns das ebenfalls. Vom Duft der Räucherstäbchen erhalten wir vielleicht nur wenig Inspiration und Reinheit, doch dieses Wenige können wir unserem inneren Schatz hinzufügen. Es gibt Leute, die sagen, es sei nicht nötig, während der Meditation Blumen vor sich zu haben. Sie sagen: “Die Blume ist im Innern, der tausendblättrige Lotus ist im Innern.” Doch die physische Blume auf deinem Altar wird dich an die innere Blume erinnern. Ihre Farbe, ihr Duft und ihr reines Bewusstsein werden dich inspirieren. Von dieser Inspiration wirst du Strebsamkeit erhalten.

Mit Kerzen, die wir bei der Meditation benutzen, verhält es sich genau so. Die Kerzenflamme selbst wird dein spirituelles Streben nicht fördern. Doch wenn du die äußere Flamme siehst, fühlst du sofort, dass die Flamme des Strebens in dir hoch, höher, am höchsten steigt. Für jemanden, der kurz vor der Gottverwirklichung steht oder Gott bereits verwirklicht hat, sind diese Äußerlichkeiten nicht mehr wichtig. Aber wenn du weißt, dass deine Gottverwirklichung noch in weiter Ferne liegt, werden dir diese Dinge sicherlich dabei helfen, dein inneres Streben zu vergrößern.

Versuche bei deinen täglichen Meditationen allein zu meditieren. Das gilt nicht für Ehepaare, die den gleichen Meister haben. Für sie ist es in Ordnung, wenn sie zusammen meditieren. Ansonsten ist es nicht ratsam, während der täglichen persönlichen Meditation mit anderen zusammen zu meditieren. Gemeinsame Meditationen sind ebenso wichtig, doch für die tägliche individuelle Meditation ist es besser, allein vor dem eigenen Altar zu meditieren.


Bedeutung der Haltung

Wenn wir meditieren, ist es wichtig, dass unser Rücken aufrecht und gerade und unser Körper entspannt ist. Wenn der Körper steif ist, können die göttlichen und erfüllenden Eigenschaften, die während der Meditation in und durch ihn fließen, nicht empfangen werden. Unser Körper sollte sich in einer bequemen Stellung befinden. Während du meditierst, wird dein inneres Wesen dich spontan in eine bequeme Stellung bringen, und es liegt dann an dir, ob du sie beibehältst. Der Lotussitz hat den großen Vorteil, dass er hilft, das Rückgrat gerade und aufrecht zu halten. Für die meisten Menschen ist er jedoch unbequem. Der Lotussitz ist für eine richtige Meditationshaltung überhaupt nicht notwendig. Es gibt viele Leute, die sehr gut meditieren, während sie auf einem Stuhl sitzen.

Einige Leute machen Körperübungen. Diese Übungen, genannt Hatha Yoga, entspannen den Körper und geben uns für kurze Zeit inneren Frieden. Wenn jemand körperlich sehr unruhig ist und keine Sekunde still sitzen kann, werden diese Übungen bestimmt helfen. Doch Hatha Yoga ist im allgemeinen nicht erforderlich. Es gibt viele Strebende, die sich hinsetzen und ihren Verstand zur Ruhe bringen, ohne zuvor Hatha Yoga gemacht zu haben.

Im Liegen zu meditieren ist nicht empfehlenswert, selbst wenn man schon seit mehreren Jahren meditiert. Jene, die es versuchen, betreten die Welt des Schlafes, die Gedanken schweifen ab, oder man döst vor sich hin. Außerdem arbeitet im Liegen die Atmung nicht so gut wie beim Sitzen, da der Atem nicht bewusst beherrscht werden kann. Richtige Atmung ist bei der Meditation sehr wichtig.


Geschlossene oder offene Augen

Ich werde oft gefragt, ob man mit offenen Augen meditieren soll. In neunzig von hundert Fällen schlafen diejenigen ein, die mit geschlossenen Augen meditieren. Du meditierst fünf Minuten lang und verbleibst dann noch fünfzehn Minuten lang in der Welt des Schlafes. Hier gibt es keine dynamische Energie, sondern nur Lethargie, Selbstgefälligkeit und eine Art ruhiges, süßes Gefühl.

Wenn du die Augen während der Meditation geschlossen hältst und die Welt des Schlafes betrittst, schweifst du leicht in alle möglichen Phantasien ab. Deine reiche Phantasie lässt dich vielleicht glauben, dass du in höhere Welten eintrittst. Es gibt viele Wege, wie du dir selbst glaubhaft machen kannst, dass du eine wunderbare Meditation hast. Es ist deshalb das beste, mit halboffenen und halbgeschlossenen Augen zu meditieren. Auf diese Weise bist du die Wurzel des Baumes und gleichzeitig der oberste Wipfel. Der Teil von dir, der die Augen halboffen hat, ist die Wurzel, die die Mutter Erde symbolisiert. Der Teil, der die Augen halbgeschlossen hat, ist der höchste Ast, die Welt der Vision, oder sagen wir, der Himmel. Dein Bewusstsein ist auf der höchsten Ebene und gleichzeitig hier auf der Erde, wo es versucht, die Welt zu verwandeln.

Die Meditation mit halboffenen und halbgeschlossenen Augen nennt man die “Löwenmeditation”. Selbst wenn du tief nach innen gehst, richtest du deine Aufmerksamkeit auf beide Ebenen, die physische und die unterbewusste. Sowohl die physische Welt mit ihren Geräuschen und Zerstreuungen als auch die unterbewusste Welt des Schlafes laden dich ein, doch du bezwingst sie beide. Du sagst: “Schaut, ich bin wachsam. Ihr könnt mich nicht in eure Gewalt bringen.” Da deine Augen teilweise geöffnet sind, wirst du nicht einschlafen. Auf diese Weise forderst du die Welt des Unbewussten heraus, während du gleichzeitig die Herrschaft über die physische Welt behältst, da du sehen kannst, was um dich herum vorgeht.

Aus dem Buch: Meditation - Menschliche Vervollkommnung in göttlicher Erfüllung von Sri Chinmoy