Meditationskursleiter Dr. med. Edmund Blab

 

Meditationskursleiter Dr. med. Edmund Blab

 

Dr. med. Edmund Blab: Ich bin Facharzt für Kinder- und Jugendchirurgie und praktischer Arzt. Meine spezielle Liebe gehört den chronisch Kranken, denen schulmedizinisch oft keine adäquate Hilfe geboten werden kann. Das Leid dieser Menschen spornt mich jeden Tag neu dazu an, nach effektiveren therapeutischen Methoden zu suchen. Meinen ursprünglichen Versuchen, ausschließlich die körperliche Ebene zu behandeln, folgte die Einsicht, dass Erkrankungen seelischen oder emotionalen Ursprungs damit nicht geheilt werden können. Wie kann man aber die nötigen Impulse zur Heilung auf allen menschlichen Ebenen setzen?

In meiner Jugendzeit konnte ich sehr intensive spirituelle Erfahrungen in der Gemeinschaft der Kirche machen. Die Kraft und Notwendigkeit der Vergebung für die Heilung emotionaler Wunden wurde mir damals bewusst. Des weiteren durfte ich die überragende Bedeutung von innerem Frieden und innerer Freude erfahren. Innerer Friede und innere Freude sind nicht nur leere Worte. Es sind Wirklichkeiten weit jenseits unserer Alltagserfahrungen, die man in der Kontemplation erfahren kann. Wie das leider häufig so der Fall ist, folgte meinen spirituellen Höhenflügen der Absturz. Die folgenden Jahre zählen zu den schmerzvollsten und enttäuschendsten Erinnerungen meines Lebens. Aber offensichtlich war auch die Erfahrung meiner Begrenztheit für meine weitere Entwicklung notwendig.

In der Zeit als junger Turnusarzt brach ich meine Kontakte mit der Kirche völlig ab. Es folgten Jahre, in denen ich in meiner intensiven beruflichen Spitalsarbeit aufging, die mich aber auch immer wieder an den Rand des physischen und psychischen Zusammenbruchs brachten. Im harten Spitalsalltag kann man schon einmal Richtung Burn-out-Syndrom abtrifften. Traurig und ausgebrannt musste ich zur Kenntnis nehmen, dass mich meine Lebensgestaltung kaputt gemacht hat, und zwar seelisch und körperlich kaputt. Jetzt hieß es: Arzt heile dich selbst. Lange Zeit habe ich mich selbst bemitleidet und andere für meine Misere verantwortlich gemacht. Letztlich musste ich aber einsehen, dass jeder immer nur selbst für seine missliche Situation verantwortlich ist und man die Schuld keinem anderen in die Schuhe schieben kann. Erst diese Einsicht hat mir die Türe für einen Neuanfang geöffnet. Plötzlich stiegen in mir wieder die Erinnerungen an meine spirituellen Erfahrungen in meiner glücklichen Jugendzeit hoch. Ich wusste genau: Die will ich wieder haben; ich muss umkehren. Doch wie?

In dem Moment, wo ich innerlich bereit war, den inneren Weg wieder aufzunehmen, begannen sich auch die äußeren Lebensbedingungen und Beziehungen zu verändern. Doch dieser Weg zurück war ein zähes Ringen, das sich über viele Jahre hinweg zog. In diesem Entwicklungsprozess kam ich durch eine wunderbare Fügung mit meinem späteren Meditationslehrer Sri Chinmoy in Kontakt. Ihm gilt meine ganze, aufrichtige Dankbarkeit. Mit seiner Weisheit und Liebe krempelte er mein Leben völlig um. Jetzt weiß ich es wieder: Der Weg des Herzens ist der schnellste Weg zum Glücklichsein. Und wir haben letztlich jeden Tag nichts anderes zu lernen als glücklich zu sein. Das ist auch die Medizin der Zukunft. Als Arzt möchte ich Sie ermutigen, diese Medizin zu probieren. Es ist die Medizin für den ganzen Menschen.