Atemübungen

Richtiges Atmen ist beim Meditieren sehr wichtig.

Bewusstes Atmen

Wenn du dich zur Meditation hinsetzt, versuche, so langsam und so ruhig wie möglich zu atmen. Atme so, dass sich ein dünner Faden vor deiner Nase überhaupt nicht bewegen würde. Versuche, noch langsamer auszuatmen, als du eingeatmet hast. Lass, wenn möglich, eine kurze Pause zwischen dem Ausatmen und dem Einatmen. Halte nach Möglichkeit den Atem ein paar Sekunden lang an. Unterlasse es aber, wenn es zu schwierig ist. Mache während deiner Meditation niemals etwas, das dir körperlich unangenehm ist.


Durch das Herzzentrum einatmen

Atme bitte ein und halte den Atem ein paar Sekunden lang an. Fühle, dass du den Atem, die Lebensenergie, in deinem Herzzentrum hältst. Dies wird dir helfen, deine Meditationsfähigkeit zu entwickeln.


Friede und Freude einatmen

Das erste, an das du denken solltest, wenn du Atemübungen machst, ist Reinheit. Wenn du beim Einatmen fühlen kannst, dass der Atem direkt von Gott, von der Reinheit selbst kommt, dann kannst du deinen Atem leicht reinigen.

Versuche jedesmal beim Einatmen zu fühlen, dass du unendlichen Frieden in deinen Körper bringst. Das Gegenteil von Frieden ist Rastlosigkeit. Wenn du ausatmest, versuche zu fühlen, dass du die Rastlosigkeit von dir weist, die du in dir und überall um dich siehst. Wenn du auf diese Weise atmest, dann wirst du merken, dass die Rastlosigkeit dich verlässt. Nachdem du diese Übung einige Male gemacht hast, versuche bitte zu fühlen, dass du die Kraft des Universums einatmest. Fühle beim Ausatmen, dass alle Furcht deinen Körper verlässt. Danach versuche zu fühlen, dass du Freude, unendliche Freude einatmest und Sorgen, Leid und Melancholie ausatmest.


Kosmische Energie

Fühle, dass du nicht Luft, sondern kosmische Energie einatmest. Fühle, dass mit jedem Atemzug gewaltige kosmische Energie in dich hineinfließt und du sie dazu verwendest, deinen Körper, dein Vitales, deinen Verstand und dein Herz zu reinigen. Fühle, dass es keine Stelle in deinem Körper gibt, die nicht von diesem Fluss kosmischer Energie erfasst wird. Er fließt wie ein Strom in dir und wäscht und reinigt dein gesamtes Wesen. Wenn du dann ausatmest, fühle, dass du sämtlichen Unrat in dir - alle deine ungöttlichen Gedanken, dunklen Ideen und unreinen Taten - ausatmest. Fühle, dass du alles in dir, was du ungöttlich nennst, alles, was du nicht als dein eigen beanspruchen willst, ausatmest.

Dies ist nicht das traditionelle Pranayama des Yoga, welches komplizierter und stärker systematisiert ist, doch es ist die wirksamste spirituelle Methode des Atmens. Wenn du diese Atemtechnik verwendest, dann wirst du die Ergebnisse bald sehen. Am Anfang wirst du deine Vorstellungskraft gebrauchen müssen, doch nach einiger Zeit wirst du sehen und fühlen, dass es keineswegs Vorstellung ist, sondern Wirklichkeit. Du atmest bewusst die Energie ein, die um dich herum fließt, du reinigst und leerst dich selbst von allem Ungöttlichen. Wenn du jeden Tag fünf Minuten auf diese Weise atmen kannst, wirst du sehr schnell vorankommen. Du darfst es jedoch nicht mechanisch tun, sondern musst dabei völlig bewusst sein.


Vollständige Atmung

In einem fortgeschrittenen Stadium kannst du zu fühlen versuchen, dass dein Atem durch alle Teile deines Körpers eindringt und hinausströmt - durch dein Herz, durch deine Augen, durch deine Nase, sogar durch deine Poren. Gegenwärtig kannst du nur durch die Nase oder den Mund atmen, doch die Zeit wird kommen, wo du durch jeden Teil deines Körpers atmen kannst. Spiri­tuelle Meister können selbst mit geschlossenem Mund und geschlossener Nase atmen. Wenn du diese spirituelle Atemmethode vervollkommnet hast, wirst du fühlen, dass all deine Unreinheit und Unwissenheit durch Gottes Licht, Frieden und Macht ersetzt worden sind.


Eins-vier-zwei-Atmung

Wenn du einatmest, wiederhole einmal den Namen Gottes, von Christus oder einer anderen spirituellen Persönlichkeit, die du verehrst. Falls dir dein Meister ein Mantra gegeben hat, kannst du auch dieses Mantra wiederholen. Es muss kein langer oder tiefer Atemzug sein. Halte danach deinen Atem an und wiederhole den Namen viermal. Beim Ausatmen wiederhole den Namen oder das Mantra, das du gewählt hast, zweimal. Du atmest also einen Schlag lang ein, hältst deinen Atem vier Schläge lang an und atmest zwei Schläge lang aus, wobei du innerlich diesen heiligen Namen wiederholst. Wenn du einfach zählst - eins, vier, zwei - dann wirst du keine Schwingung, kein inneres Gefühl erhalten. Doch wenn du den Namen Gottes wiederholst, werden Gottes göttliche Eigenschaften unmittelbar in dich eintreten. Wenn du dann den Atem anhältst, kreisen diese göttlichen Eigenschaften in dir und dringen in all deine Unreinheiten, Dunkelheiten, Unvollkommenheiten und Begrenzungen ein. Und wenn du ausatmest, tragen diese göttlichen Eigenschaften alle deine ungött­lichen, zerstörerischen und den Fortschritt hemmenden Eigenschaften hinweg.

Der Anfänger beginnt mit einem Eins-Vier-Zwei-Rhythmus. Sobald er in seinem Atmen fortgeschritten ist, wird er in einem Vier-Sechzehn-Acht-Rhythmus atmen können: vier Schläge lang einatmen, sechzehn Schläge lang den Atem anhalten und acht Schläge lang ausatmen. Doch dies muss nach und nach geschehen. Es gibt Leute, die noch weiter gehen. Sie haben einen Acht-Zweiund­dreißig-Sechzehn-Rhythmus, doch dies ist nur für Fortgeschrittene.


Wechselseitige Nasenatmung

Eine andere Technik, die du probieren kannst, ist die wechselseitige Nasen­atmung. Diese Atmung wird folgendermaßen ausgeführt: Halte das rechte Nasenloch mit dem Daumen zu und atme durch das linke Nasenloch langsam ein. Wiederhole beim Einatmen einmal den Namen Gottes. Dann hältst du deinen Atem vier Schläge lang an und wiederholst dabei den Namen Gottes viermal. Nimm anschließend deinen Daumen von deinem rechten Nasenloch und halte dein linkes Nasenloch mit dem Ringfinger zu. Atme jetzt zwei Schläge lang - das heißt, während du zweimal den Namen Gottes wiederholst - aus. Daraufhin atme mit zugehaltenem linken Nasenloch ein und so weiter. Bei dieser Methode musst du nicht unbedingt lautlos einatmen, wenn man dein Atmen hört, macht das nichts. Man sollte diese Übung natürlich nicht öffentlich machen, zum Beispiel an einem Ort, wo andere Leute versuchen, in Stille zu meditieren.

Die Eins-Vier-Zwei-Atmung solltest du nicht länger als vier bis fünf Minuten ausführen. Die wechselseitige Nasen­atmung sollte ebenfalls nur einige Male durchgeführt werden. Wenn du die Übung zwanzig, vierzig oder fünfzig Mal machst, wird von der Basis deiner Wirbelsäule Hitze aufsteigen und in deinen Kopf eindringen, wo sie Spannungen und Kopfschmerzen verursacht. Es ist, als wenn man zuviel isst. Essen ist gut, doch wenn man zu gierig isst, wird man sich nur den Magen verderben. Mit der inneren Hitze verhält es sich genauso. Wenn du über deine Fähigkeit Energie hochziehst, wird sie dir statt einem friedvollen Verstand einen arroganten, turbulenten und destruktiven Verstand geben. Später, wenn du die innere Fähigkeit entwickelt hast, kannst du die wechselseitige Nasenatmung zehn oder fünfzehn Minuten lang durchführen.


Aus dem Buch: Meditation - Menschliche Vervollkommnung in göttlicher Erfüllung von Sri Chinmoy